Corona-Sonderumfrage
Research-Publikation der DZ BANK AG

Corona Sonderumfrage

Situation im Mittelstand immer noch angespannt, insbesondere kleinere Mittelständler betroffen

Nach mehr als einem Jahr seit Beginn der Corona Pandemie gibt es immer noch keinen Grund zur Entwarnung: Zwar hat sich die wirtschaftliche Lage insgesamt verbessert, die Situation innerhalb einzelner Branchen und Größenklassen bleibt aber weiterhin angespannt. Insbesondere die kleineren Mittelständler und das Ernährungsgewerbe leiden unter den Folgen der Krise. Mittelständler kritisieren zudem die Umsetzung der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Dies zeigen die Ergebnisse unserer dritten repräsentativen Sonderumfrage zur Corona-Krise unter 1.000 Mittelständlern.

Die Corona-Krise zeigt weiterhin große Auswirkungen auf die Mittelständler in Deutschland. Wie schon im vergangenen Herbst haben dabei auch in diesem Frühjahr die Einführung und Einhaltung von Hygienerichtlinien und die Homeoffice-Nutzung die größte aktuelle Relevanz für die Unternehmen. Während Hygienerichtlinien über die ganze Krise hinweg in den Unternehmen (und in der Gesellschaft) präsent waren, hat die Homeoffice-Nutzung zuletzt wieder deutlich an Bedeutung gewonnen. Dies ist eine Folge der wesentlich ansteckenderen britischen Mutante und der in der Corona-Arbeitsschutzverordnung geregelten Verpflichtung der Unternehmen, Homeoffice anzubieten, soweit keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen. De Schließung bestimmter Bereiche oder gar die Betriebsschließung etwa wegen des anhaltenden Lockdowns betreffen nur rund jeden zehnten Mittelständler, beide Aspekte haben im Verlauf der Corona-Krise jedoch an Relevanz gewonnen.

Insgesamt haben die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen aber etwas nachgelassen. Zwar nutzt immer noch knapp die Hälfte der Befragten Kurzarbeit. Der Anteil ist aber im Verlauf der Corona-Krise stetig zurückgegangen. Besonders deutlich war der Rückgang der Kurzarbeit im Metall-, Maschinen- und Fahrzeugbau. Dies gilt aber nicht für alle Branchen und Größenklassen gleichermaßen.

Im Ernährungsgewerbe hat der Anteil sogar zugenommen: So wird Kurzarbeit im Ernährungsgewerbe mittlerweile nicht nur am meisten von al-len hier betrachteten Branchen in Anspruch genommen. Gegenüber Herbst hat sich der Anteil der betroffenen Mittelständler zudem von knapp 40% auf fast 58% erhöht. Sonst hat der Anteil bei der Kurzarbeit gegenüber Herbst nur noch bei den Dienstleistungen, bei den kleinen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 5 Mio. Euro und in Ostdeutschland zugelegt, aber jeweils nur leicht.

Sonderkredite relevant für kleinere Unternehmen

Mittlerweile ist der Anteil der Mittelständler, die einen Sonderkredit benötigen, bei den Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 5 Mio. Euro am höchsten. Er stieg im vergangenen halben Jahr von 15% auf 21% und ist damit wieder so hoch wie zu Beginn der Corona-Krise vor einem Jahr.

Insgesamt entwickelte sich die Nutzung von Sonderkrediten aber rückläufig. Insbesondere ist dies bei den größeren Mittelständlern mit einem jährlichen Umsatz von über 25 Mio. Euro zu beobachten. Bei den Branchen ging die Bedeutung der Sonderkredite vor allem im Metall-, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektroindustrie zurück. Hier haben sich die Auftragsbücher mittlerweile wieder gefüllt, auch wegen der gestiegenen Nachfrage aus China und den USA.

In der Befragung wurden die mittelständischen Unternehmer gebeten, Schulnoten für die verschiedenen staatlichen Maßnahmen zu vergeben: Mit der Unterstützung der Bundesregierung sind die Mittelständler bislang nur bedingt zufrieden. Durchschnittlich bewerten die Befragten die Reaktion der Regierung auf die Pandemie mit der Schulnote 4+. Den Umfang der zur Verfügung gestellten Gelder betrachten die Firmen mit einer Durchschnittsnote von 3,5 aber noch als befriedigend. Der große Knackpunkt ist für viele allerdings die Umsetzung der Maßnahmen. „Zu langsam, zu bürokratisch“ bemängeln die Mittelständler in der Befragung – und vergeben die Durchschnittsnote 4,3.

 

Schlechte Noten für Corona-Politik - aber keine Pauschalurteile

Insgesamt stellen die deutschen Mittelständler der Corona-Politik von Bund und Ländern also eher schlechte Noten aus. Aber sie scheren die verschiedenen Maßnahmen keineswegs über einen Kamm und bei der Beurteilung der Maßnahmen gibt es durchaus Unterschiede bei den verschiedenen Branchen und Größenklassen. Einig sind sich die Mittelständler jedoch darüber, so eines der Ergebnisse der Studie, dass neben der Verbesserung der Impfkampagne, Nachholbedarf bei der Verringerung der Bürokratie besteht, um die Hilfen möglichst schnell dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden.
 

Erfahren Sie mehr über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Mittelstand in unserer aktuellen Research-Publikation.